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Was für ein »Mordstheater«! - Am 11. August endet der Prozess gegen Josef ScheungraberKundgebung am Dienstag, 11. August 2009 Am 11. August wird die Strafkammer des Landgerichtes München I das Urteil gegen den Ehrennadelträger des Kameradenkreises der Gebirgsjäger, Josef Eduard Scheungraber aus Ottobrunn sprechen. Die Staatsanwaltschaft hat dem Angeklagten das am 27. Juni 1944 in der toskanischen Ortschaft Falzano di Cortona verübte Massaker zur Last gelegt, bei dem nach der Tötung zweier Wehrmachtssoldaten auf seinen Befehl als „Vergeltungsschlag“ 14 italienische ZivilistInnen ermordet worden sind. Staatsanwaltschaft und die anwaltliche Vertretung der NebenklägerInnen (Hinterbliebnene und Nachkommen der Ermordeten) aus Falzano haben auf schuldig plädiert, die Verteidigung hat Freispruch beantragt. Antonio Grezzi - Angiolo Lescai - Luca Cascini - Lorenzo Donati - Agostino Paludini - Agostino Petrini - Domenico Trasenni - Guido Trasenni - Domenico Sassini - Edoardo Zampagni - Ferdinando Cannicci - Santi Lescai - Francesca Bistarelli - Angiolo Donati Was hat der Verlauf des über 40 Verhandlungstage andauernden Strafprozesses gezeigt? Die Verhandlung hat zweifellos ergeben, dass es die von dem damals 25-jährigen Leutnant Josef Scheungraber befehligte 1. Kompanie des Gebirgspionierbatallion 818 war, die das Massaker in Falzano di Cortona begangen hat. Damit konnte der Versuch der Verteidiger des Delinquenten, die Verantwortlichkeit des Massakers italienischen Faschisten in die Schuhe zu schieben, vereitelt werden. Gino Masetti, der einzige Überlebende des Massakers, berichtete am 7. Oktober 2008 darüber, wie die BewohnerInnen von den Gebirgsjägern zunächst an einer Mauer aufgereiht wurden und sie zunächst einige Sprengungen von Häusern ihres Ortes miterleben mussten. Nachdem Sprengstoffkisten in das Haus deponiert worden waren, wurden die Bewohner der Ortschaft in das Haus getrieben. Als dessen Tür von außen mit Draht zugesperrt wurde, ahnten sie, dass sie jetzt sterben würden. Die Todgeweihten hörten, wie jemand die Treppe zum ersten Stock hinauf ging, wohl um die Sprengung zu zünden, kurze Zeit später hörten sie die Schritte wieder nach unten gehen und erwarteten den Tod. Nichts geschah. Offenbar war der erste Versuch fehlgeschlagen und erneut hörten sie die Tritte ihres Henkers auf der Holzstiege nach oben und wieder hinunter. Dann die Explosion. In das Wimmern unter den Trümmern schossen die Deutschen noch ein, zwei Salven aus einer MP und entfernten sich dann. Gino Masetti wäre fast erstickt und musste noch eine Weile dem Sterben des Mannes zuhören, der von der Druckwelle auf seinen Körper geschleudert worden war. Mit diesem umsichtig durchgeführten Massaker realisierten die Soldaten des Gebirgsjägerpionierbataillons 818 das was 10 Tage zuvor vom Oberbefehlshaber der Italien-Front Generalfeldmarschall Albert Kesselring nach Partisanenüberfällen angeordnet worden war: Es seien alle männlichen Einwohner der betreffenden Ortschaften zu töten; über Exzesse dabei, so versprach er, werde er hinwegsehen. Das ließen sich die Wehrmachtsverbände nicht zweimal sagen: Auf ihrem Rückzug vor den Alliierten zogen Wehrmacht und andere deutsche Mordverbände eine Blutspur durch das Land; bei „Vergeltungsmaßnahmen" wie der in Falzano wurden bis zu 10.000 italienische ZivilistInnen von deutschen Soldaten massakriert. Die Exzesse nahmen derartige Ausmaße an, dass Kesselring seinen Freibrief zum Morden wenige Wochen später ausdrücklich widerrief. Mehr als begründet ist zu vermuten, dass Leutnant Scheungraber die Intention des Kesselringschen Mordbefehls deshalb in besonderer Weise verstanden haben dürfte, da er 1943 bei diesem als Ordonnanzoffizier dienen durfte. Durch den Strafprozess kann ein ziemlich eindeutiges Bild des Tatherganges gezeichnet werden: Die Angehörigen der 1. Kompanie des Gebirgs-Pionier-Batallions 818 unter dem Befehl Scheungrabers waren von dem Tod ihrer beiden Kameraden »aufgebracht«. Es kam, so schilderten es sogar die vor Gericht begriffsstutzig auftretenden Zeugen, zu einem »Racheakt« (Johann F.) oder einer »Vergeltungsaktion« (verstorbener Zeuge), »Säuberungsaktionen« und »Partisaneneinsätzen«, die, so sagte einer der Zeugen aus, »immer unmittelbar« nach Angriffen auf deutsche Soldaten stattfanden. Ein »Mordstheater« sei das gewesen, sagte ein Zeuge in einer Formulierung, die ihm wahrlich in ihrer grauenhaften Mehrdeutigkeit gar nicht bewusst war. Die von Scheungraber gegenüber LKA-Beamten im Jahr 2005 gemachte Aussage, er sei damals doch gar nicht am fraglichen Ort gewesen hat der Überprüfung nicht standgehalten: Fotografien aus seinem eigenen Kriegsalbum zeigen ihn in einem Ort in der Nähe bei der Beerdigung der beiden getöteten Wehrmachtsoldaten, deren Tod Anlass für das Massaker war. Im Verlauf des Strafprozesses schien es, als hätten so gut wie alle Zeugen aus der Gebirgsjägereinheit Scheungrabers an jenem 27. Juni 1944 rein gar nichts Substantielles mitbekommen. Auch wer die Befehle gegeben hat, ließen sie im Dunkeln. Wahlweise haben sie sich in ihren Zeugenaussagen auf ihr Alter, auf die lange Zeit, die seit damals verstrichen ist, oder darauf berufen, dass man sie doch wohl nach 64 Jahren nicht mehr länger quälen dürfe. Immer dann, wenn es ernst wurde, versagte ihr Gedächtnis, man war wahlweise nicht dabei, anderweitig eingesetzt oder »ganz weit draußen am rechten Flügel«. Die alten Gebirgsjäger haben je nach Frage den Trottel oder die verfolgte Unschuld gemimt. Die Pose des braven Landsers, der für die „da oben“ hat den Kopf hinhalten müssen, schien ihnen dafür am geeignetsten. Und wenn es einem dahinter verschanzten Gebirgsjägerpioniers vom Schlage des Zeugen Georg H. dann doch einmal mit der ganzen Fragerei zuviel wurde, dann platzte es auch schon mal wörtlich in empörter Abwehr heraus: »Ich kann mich nicht an einen jeden Dreck erinnern!« Im Gerichtssaal waren böse alte Männer als Kameraden von Scheungraber zu erleben. Sie haben sich niemals selbst danach befragt, was damals durch Deutsche in ganz Europa angerichtet worden ist, welches Leid sie als Gebirgsjäger aus Mittenwald nach Falzano gebracht haben. Als Zeugen haben sie sich hinter ihr Selbstbild der Verführten und machtlosen Befehlsempfänger versteckt, deren prinzipiell gutes Erinnerungs- und Gedächtnisvermögen beim Falzano-Komplex mit Regelmäßigkeit aussetzte. Die Verteidigung Scheungrabers wurde von vier bekannten Rechtsanwälten wahrgenommen, die man getrost als ein schwarz-braun profiliertes Gruselkabinett bezeichnen kann: In deren politischem Engagement, angefangen in der einflussreichen Neonazihilfsorganisation Stille Hilfe, dem Reservistenverband der Bundeswehr, dem Kameradenkreis der Gebirgsjäger, einer schlagende Burschenschaftsverbindung und als Beiträger der neurechten Postille „Junge Freiheit“ reichen sich der Neofaschismus und Militarismus die Hand. Was deprimierend ist … Und an der Heimatfront? Die Gemeinde Mittenwald unterstützt genau dieses aktive Verdrängen, indem sie am 4. Juni 2009 das Denkmal für die Opfer der NS-Gebirgsjäger in ganz Europa abräumen ließ, das aus Steinen der von der Gebirgstruppe ausgelöschten Gemeinde Falzano di Cortona zusammengesetzt ist.
Kommt zahlreich zum Dienstag, 11. August 2009, zur Kundgebung anlässlich der Urteilsverkündung ab 8.00 Uhr vor dem Landgericht München I im Justizzentrum in der Nymphenburger Straße 16. (U-Bahn-Haltestelle Stiglmaierplatz)
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Ein Denkmal für Mittenwald!
Entschädigung aller NS-Opfer! Keine Straffreiheit für Kriegsverbrecher! Keine Ruhe! Prozess gegen den Gebirgsjäger Josef Scheungraber in München: Entschädigung jetzt!
Gegen jeden Krieg! |