12.2.10 | „Man muss sich schon fragen, in welchem Milieu solche menschenunwürdigen Entgleisungen gedeihen können."

Pressemitteilung

Angreifbare Traditionspflege / Neue Folge
AK Keine Ruhe den NS-Tätern

„Man muss sich schon fragen, in welchem Milieu solche menschenunwürdigen Entgleisungen gedeihen können."
(Werner Gropp, Ex-Gebirgsjäger)

Wie man der Presse entnehmen konnte, seien vor allem ehemalige Gebirgsjäger bzw. Gebirgsjäger-Reservisten verantwortlich für die jetzt bekannt gewordenen menschenverachtenden Traditionsrituale in Mittenwald. Das ist wahrlich kein Zufall, sondern die traditionsreiche Form von soldatischen Männerbünden nicht nur in Mittenwald.

Aktive Bundeswehrsoldaten organisieren sich seit über 50 Jahren im sog. Kameradenkreis der Gebirgsjäger mit ehemaligen Gebirgsjägern der Wehrmacht und pensionierten Bundeswehroffizieren.

Die widerwärtigen Aufnahmerituale der Mittenwalder Gebirgsjäger fallen nicht vom Himmel, sondern verweisen - einmal mehr- auf die noch widerwärtigere Traditionspflege der Bundeswehr in Mittenwald. Die Liste der Skandale in Mittenwald und in den anderen Gebirgsjägergarnisonen ist lang: Foltervideos, Naziorden und Hitlergrüße, der Totenkopfskandal von Oktober 2006 und seit 57 Jahren das NS-Kriegsverbrechertreffen auf dem Hohen Brendten.

Die Mittenwalder Soldaten der Bundeswehr, die seit einigen Jahren die deutschen Kriegseinsätze in aller Welt als selbst ernannte Elitetruppe anführen, werden seit über 50 Jahren von diesen Kriegsverbrechern sozialisiert. Nach wie vor sind in diesem Traditionsverein Wehrmachtssoldaten, Waffen-SSler und Gebirgsjäger-Polizisten organisiert, die nachweislich an Massakern und an Deportationen von Jüdinnen und Juden beteiligt waren. Selbst der kürzlich wegen Mordes an italienischen Zivilisten verurteilte Kamerad Scheungraber dürfte noch Mitglied sein. Auf Kameradschaftsabenden und in der Vereinspostille „Gebirgstruppe“ haben sie jahrzehntelang ihre „Erfahrungen mit den hinterhältigen Partisanen“ ungestört an künftige Generationen von Gebirgsjägern weitergeben dürfen und gleichzeitig ihre Beteiligung an Massakern und an der Ermordung von Jüdinnen und Juden geleugnet.

Ein zentraler Ort dieser speziellen Gebirgsjäger-Sozialisation ist die jährliche Brendtenfeier. Seit 1957 treffen sich jährlich greise Gebirgsjäger-Kameraden der Wehrmacht und Waffen-SS im Schulterschluss mit ihren Bundeswehrnachfolgern im bayerischen Mittenwald. Trotz der stark rückläufigen Teilnehmerzahl ist es die letzte größere soldatische Feier Deutschlands. Von einer Bundeswehrkapelle begleitet, findet unter den Fahnen revisionistischer und faschistischer Organisationen – u.a. der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger – ein ökumenischer Feldgottesdienst statt.

Da die Strafverfolgung der deutschen Justiz im Schneckentempo arbeitet und die deutschen Täter trotz Urteilen in Italien nicht ausgeliefert werden, treiben sich am Hohen Brendten in Mittenwald - nach wie vor - die Veteranen der 1., der 5., der 157. und der 188. Gebirgsdivision, der Waffen-SS Nord und des SS-Gebirgsjägerpolizeiregiments 18 herum, die für zahlreiche Massaker auf Kephallonia, Korfu, Kreta, im Vercors, in Kommeno und Camerino und für die Deportationen der Athener (Jüdinnen und) Juden nach Auschwitz verantwortlich sind.

Übrigens, auch der flinke Verteidigungsminister zu Guttenberg, der sich (noch) seiner Verbundenheit mit den Mittenwalder Gebirgsjägern brüstet, sollte jetzt mal genauer hinschauen. Wenn er im Frühjahr zu seinem lange angekündigten Truppenbesuch bei den Gebirgsjägern in Mittenwald erscheint, sollte er nicht nur aus Gesundheitsgründen für einen anderen Umgang seiner Rekruten sorgen.

Einen besonderen Augenmerk sollte von Guttenberg auf die von der Bundeswehr unterstützte diesjährige Brendtenfeier legen. Das Treffen der Waffen-SSler und Gebirgsjäger-Massaker-Veteranen soll ausgerechnet am 8. und 9. Mai 2010 unterm Karwendel stattfinden.

Das ist bekanntlich der 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, der in aller Welt in Erinnerung an die Millionen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges und der Shoah gefeiert wird.

Da könnte Guttenberg auch von seinem österreichischen Amtskollegen Darabos lernen. Der hatte vor vier Jahren den Angehörigen des österreichischen Bundesheeres die Teilnahme an dieser nazistischen Veranstaltung in Mittenwald verboten. Letztes Jahr entzog er endlich auch dem SS-Veteranentreffen am Ulrichsberg die militärische Unterstützung.

Schluss mit der NS-Traditionspflege in Mittenwald!

Kein NS-Kriegsverbrechertreffen am 8./9.Mai 2010 in Mittenwald

Keine Unterstützung für NS-Kriegsverbrecher durch die Bundeswehr!

Vom Ulrichsberg lernen heißt siegen lernen!