Aus dem Verfahren gegen Max Schneider

Max Schneider wurde wegen der Teilnahme am Massaker in Marzabotto verurteilt. Hier fand das schlimmste Kriegsverbrechen deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkrieges in Italien statt. Zwischen dem 29. September und dem 1. Oktober 1944 zerstörten Einheiten der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ und der deutschen Wehrmacht die gesamte Region und töteten über 770 Zivilisten, laut einigen Quellen bis zu 1.836 Personen, vor allem alte Männer, Frauen und Kinder. Die Liste der über 770 Opfer enthält die Namen und Geburtsdaten von 213 Kindern unter 13 Jahren. Erwachsene Männer im wehrfähigen Alter fehlen fast völlig auf der Liste.

Für die Staatsanwaltschaft sagt Maresciallo d 'Elia aus, der die Dokumente zum Verfahren studiert hat:

Schneider wird am 15.6.43 im Alter von 17 Jahren freiwillig Mitglied der SS und wird später, am 1.8.44 SS-Unterscharführer. Nach dem Ausbildungskurs für Unterkommandanten wurde er dem Reder-Bataillon der 5. Kompanie zugeschlagen und im März 1944 nach Italien geschickt.
Am 15.07.1944 wird ihm für seinen Einsatz in Italien bei der 16. Pg-Division „Reichsführer SS“
das Eisernen Kreuzes 2. Klasse verliehen.

Die Dokumenten belegen eindeutig, dass Schneider während des Massakers in Marzabotto anwesend war. Das Gericht hebt vor Allem seine Kommandofunktion als SS-Unerscharführer hervor. Ihm unterstanden 8 SS-ler.

Max Schneider wurde am 24.10.2003 in Bayern befragt. Er gibt an, dass die 1. Kompanie in den Tagen des Massakers von Marzabotto durch Elemente der 5. Kompanie, der Schneider angehörte, verstärkt worden war. Schneider sagt aus, dass er nicht an dem Massaker beteilgt gewesen sei, da er zuvor durch einen Partisanenangriff verletzt worden sei. Seine Aussage steht aber im Widerspruch zu den Dokumenten, die belegen, dass der Angriff erst nach Beginn des Massakers erfolgte. Schneider wurde dabei durch einen Schulterschuss schwer verletzt. An die Namen seiner damaligen Kameraden will er sich nicht erinnern können, obwohl sie insgesamt 6 Monate in der Konstellation zusammen waren.

Die Meldung seiner Verletzung am Tag und am Ort des Massakers beweist, dass er anwesend war, was auch von anderen Dokumenten bestätigt ist. Für das Gericht ist schließlich die Verantwortlichkeit des Angeklagten aus seiner Kommandotätigkeit, die lange vor der Verletzung stattgefunden hat, ausschlaggebend.

Der 1925 geborene Schneider lebt heute in Berlin.