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12.12.07 // Pressemitteilung des Arbeitskreises „Keine Ruhe den NS-Kriegsverbrechern“Am 1.12.2007 hat der Arbeitskreis im Rahmen des bundesweiten Aktionstages „Keine Ruhe den NS-Kriegsverbrechern“ zusammen mit 100 Antifaschistinnen und Antifaschisten vor dem Haus des in Italien wegen Kriegsverbrechen verurteilten ehemaligen Wehrmachtssoldaten Max Josef Milde eine Kundgebung abgehalten. Diese Aktion hat in den Medien eine breites Echo ausgelöst. Dabei wurden sowohl von der Anwältin Mildes, Barbara Kopp, als auch von dem bei Buten un Binnen interviewten Historiker Stefan Klemp Behauptungen aufgestellt, die wir nicht unwidersprochen stehen lassen wollen. Mit unserer Aktion wollten wir auf die Verbrechen und Massaker aufmerksam machen, die von Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten im 2. Weltkrieg an der Zivilbevölkerung in Italien verübt wurden. Diese sind auch nach über 60 Jahren weder juristisch noch gesellschaftlich ausreichend aufgearbeitet worden, obwohl viele beteiligte Täter noch am Leben sind und Auskunft geben könnten. Für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer dieser Massaker ist dieses Schweigen und Nicht-Verhalten ein schwer zu ertragender Zustand. Dieses Schweigen zu durchbrechen und die Verbrechen öffentlich zu machen ist uns gelungen. Max Josef Milde wurde wegen der Beteiligung an dem Massaker von Civitella verurteilt. Wie auch immer seine konkreten Taten in Civitella ausgesehen haben mögen – er war bei einer Einheit, die nachweislich mehrere Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen hat. Er wusste (das ist durch Zeugenaussagen im Prozess belegt) von den Massakern, er kennt den konkreten Tatablauf. Er hätte sich öffentlich äußern und zur Aufklärung der historischen Fakten beitragen müssen. Das wäre seine Verpflichtung gegenüber den Opfern, den Überlebenden und deren Angehörigen gewesen, denn diese Menschen haben viele Fragen und wollen wissen, was passiert ist und wer für die Morde verantwortlich ist. Aber über 60 Jahre äußerte er sich nicht und verhinderte so eine Aufarbeitung der Verbrechen. Konkretes zu den Tatvorwürfen gegen Milde Es ist bewiesen, das Milde Angehöriger der Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring war. Er war dort Unteroffizier der Feldgendarmerie. Das Massaker von Civitella wurde von dieser Division geplant und begangen. Die Feldgendarmerie wurde dabei vor allem in der Ortschaft Cornia und Umgebung eingesetzt, wo unter den Ermordeten viele Frauen und Kinder waren. Wie aus der Urteilsbegründung zu ersehen ist, geht das Gericht davon aus, dass Milde an dem Planungstreffen der Offiziere und Unteroffiziere (zu denen er ja auch gehörte) am 28.6.44 (also einen Tag vor dem Massaker von Civitella) bei dem das Massaker konkret geplant wurde, teilgenommen hat. Ehemalige Soldaten aus seiner Einheit haben ausgesagt, dass sie schon am 28. wussten, dass es hier um eine Aktion gegen Zivilisten ging. Die Division hatte in der vorausgehenden Zeit an mehreren derartigen Massakern teilgenommen. Ein einfacher Soldat der Einheit, ebenfalls zu den Musikern gehörend, wollte an dieser Aktion nicht teilnehmen, um deren Charakter er wusste und hat sich deshalb freiwillig zur Bewachung der Transport- LKWs gemeldet, zu der er dann auch eingeteilt wurde. Es gab also Handlungsalternativen. Nach Aussagen eines ehemaligen Feldgendarmen und Musikers der gleichen Division, hat er Milde in einer Gruppe von Soldaten gesehen, die einen brennenden Heuschober umstellt hatten. Von anderen Soldaten habe er dann erfahren, dass die Menschen, darunter Frauen und Kinder, die sich in diesem Heuschober aufgehalten hatten, erschossen wurden, wenn sie versuchten, den Flammen zu entfliehen. Das von seine Anwältin vorgebrachte Argument, dass Max Josef Milde doch „nur Musiker“ war ist zwar ganz hilfreich, um den Eindruck eines bemitleidenswerten, alten Mannes zu erwecken, der auf keinen Fall an irgendwelchen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein kann – allerdings ist es kein Indiz für seine Unschuld. Das Hauptargument von RAin Kopp dafür, dass es sich bei Milde um das Opfer eines Justizirrtums handelt, ist die Aussage einer Frau, die laut Kopp Partisanin gewesen sein soll und die Milde zum Zeitpunkt des Massakers am 29.6.1944 auf einen Gutshof bewacht haben soll. Dazu sagt Frau Carletti laut der italienischen Zeitung Il Giornale folgendes aus: Frau Carletti hat auch einen der zwei Angeklagten, die noch am Leben sind, wiedererkannt, Max Milde: “Er ist nach den anderen angekommen. (...)Der Milde sagte zu mir: ‚Mach dir keine Sorgen, morgen befreien wir euch alle, außer den Hausbesitzer und seine Kinder.’ Er wusste nicht, wer ich war. Also schrie ich: ‚Aber ich bin die Tochter des Besitzers!’ (…) Kurze Zeit später saß er auf den Treppenstufen, hielt den Kopf zwischen den Händen, brach in Tränen aus und sagte: ’Der Krieg muss an der Front geführt werden, er darf nicht mit der Zivilbevölkerung zu tun haben, das ist verkehrt’. Diese Aussage entlastet Max Josef Milde nicht. Im Gegenteil, das italienische Gericht wertete sie als belastend, da sie bestätigt, dass Milde von dem Massaker gewusst hat. Das Wissen um das Schicksal der Besitzerfamilie deutete das Gericht darüber hinaus als Nähe zwischen Milde und den Befehlshabern. Zum vielzitierten Adress-Zettel: Ebenso wie die drei Soldaten, die Frau Carletti geholfen haben, gab auch Milde ihr einen Zettel mit seiner Adresse. Während aber die drei Retter ihre Anschriften an Frau Carletti gaben, damit diese im Falle einer Deportation Anlaufstellen haben würde, gab Milde als Grund für seine Adressenübergabe in einer Vernehmung durch deutsche Ermittlungsbehörden an, dass er gehofft habe, Frau Carletti irgendwann mal wieder sehen zu können. Eine merkwürdige Geste gegenüber einer Person, von deren naher Tötung Milde wusste. Er hat hingegen nichts unternommen, um diese Tötung zu verhindern. Da diese Episode nichts mit dem Massaker, das vorher stattgefunden hatte, zu tun hat, wertet das Gericht sie als irrelevant für die Frage der Tatbeteiligung an dem Massaker. Die Übergabe dieses Zettels ist kein Beweis für Mildes Unschuld. Er kann seine Adresse aus ganz unterschiedlichen Motiven weitergegeben haben. Der Zettel allein sagt nichts über seine konkrete Tatbeteiligung aus. Zu dem Prozess in La Spezia Nach unserer Einschätzung hat dieser Prozess weder „rechtsstaatliche Grundsätze verletzt“ (RAin Kopp laut taz) noch war er „eine ausgemachte Schweinerei“ (RAin Kopp laut Weserkurier). Ganz im Gegenteil sind die Fakten folgende: Die oft geäußerte Kritik an der italienischen Justiz in den letzten Tagen legt fast nahe, dass NS-Täter nur von bundesdeutschen Gerichten fachgerecht verurteilt werden können. Das würde weiter heißen, dass die bundesdeutsche Rechtspraxis seit 1949, nur sehr wenige NS-Täter vor Gericht zu ziehen und noch weniger zu verurteilen, der einzige angemessene Weg eines Umgangs mit den NS-Verbrechen darstellt. Milde ist gewiss nicht der Hauptverantwortliche für das Massaker von Civitella. Das haben wir auch nie behauptet. Aber er ist in Italien wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Eine unserer Forderungen an Milde bleibt weiterhin: Er muss sich öffentlich äußern.
Max Josef Milde war vor Ort, er hat an den Vorbereitungen teilgenommen, er war Mitglied der für das Massaker verantwortlichen Einheiten. Es ist seine Verpflichtung – nicht zuletzt den Opfern, den Überlebenden und den Angehörigen gegenüber – zur historischen Aufarbeitung beizutragen. Arbeitskreis Bremen, 12. Dezember 2007 Bei Rückfrage: |
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