Pressemitteilung: Ein NS-Kriegsverbrecher lebt jahrelang unbehelligt in Bad Harzburg

Kundgebung am Samstag, 16.8.08

Keine Ruhe für NS-Täter - Entschädigung der Opfer!

In Bad Harzburg lebt der ehemalige Offizier der Wehrmacht Hans Dietrich Michelsen. Er wurde im Februar 2008 von einem italienischen Militärgericht wegen seiner Beteiligung an Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft und zu Entschädigungszahlungen verurteilt.

Dieses Urteil hat bisher in der BRD und im Wohnort des Kriegsverbrechers keine Beachtung gefunden, deshalb rufen wir zu einer Kundgebung in Bad Harzburg auf. Während die Angehörigen der Opfer bisher vergeblich auf Entschuldigung und Entschädigung warten, lebt Michelsen in Bad Harzburg als „netter Opa von nebenan“ völlig unbehelligt und genießt seine Rente.

Am kommenden Montag (18.8.) jähren sich die Erschießungen, für die Michelsen verurteilt wurde. Die Kundgebung findet in zeitlicher Nähe zu diesem traurigen Jahrestag statt, um die Forderungen der Hinterbliebenen zu betonen und um diese auch in Bad Harzburg, dem Wohnort des Kriegsverbrechers, bekannt zu machen.

Das Urteil
Mitte Februar 2008 erging das Urteil gegen Michelsen vor dem Militärtribunal im italienischen La Spezia. Laut Urteil war der damals 29-jährige Michelsen am 18. August 1944 an der Ermordung von vier italienischen Bauern im Dorf Grotta di Maona beteiligt: Der 18-jährige Antonio Bonisegni und Italo Laserdi, 29 Jahre, wurden zunächst gefoltert. Der 70-jährige Fausto Franceschi musste vor der Erschießung sein eigenes Grab ausheben. Sie wurden dann zusammen mit dem 34 Jahre alten Marino Agostini erschossen.
Obwohl Michelsen nicht selbst an der Erschießung teilgenommen hat, verurteilte ihn das Gericht als Verantwortlichen für die Tat. Er habe die Erschießung angeordnet, da die Bauern Lichtsignale an Partisanen abgegeben hätten.
Michelsen erschien nicht zu dem Prozess und ließ sich auch nicht vertreten. In Abwesenheit ist er zu lebenslanger Haft und zur Zahlung von Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

Keine Ermittlungen in der BRD
Soweit uns bekannt ist, gibt es trotz des Urteils kein Ermittlungsverfahren gegen Michelsen in BRD. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Michelsen im Zuge der vierjährigen Ermittlungen im Auftrag der italienischen Militärstaatsanwaltschaft vernommen, ein aktuelles Ermittlungsverfahren gibt es laut Presseberichten allerdings nicht.

Die juristische Nicht-Verfolgung im Falle Michelsens ist beispielhaft für den juristischen und auch gesellschaftlichen Umgang mit deutschen Kriegsverbrechen in der BRD. Eine Auseinandersetzung findet nicht statt. In den vergangenen vier Jahren sind in Italien über 20 ehemalige Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS wegen Massakern an der Zivilbevölkerung verurteilt worden.

Die Angehörigen der Opfer von Grotta di Maona warten bis heute vergeblich auf eine Entschuldigung des Verurteilten. Michelsen selbst streitet die angeklagten Taten ab. Von einem Journalisten nach dem Urteil befragt, reagierte er zynisch: „Ach ja, wundervoll! Das kann man doch nicht ernst nehmen, sowas.“ (Neues Deutschland, 31.7.08)

Am Samstag wird es zwei Kundgebungen in Bad Harzburg geben.

Die erste Kundgebung beginnt um 12 Uhr auf dem Port-Louis-Platz.
Gegen 13 Uhr wird eine zweite Kundgebung vor dem Haus Michelsens in der Rudolf-Huch-Straße stattfinden.

Wir bitte Sie auf die Veranstaltungen hinzuweisen und laden Sie zur Berichterstattung ein.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite: www.keine-ruhe.org

Vor Ort wird es eine Info-Mappe mit weiteren Informationen geben. Für Rückfragen erreichen Sie uns unter der Telefonnummer: 01577-9045429

Initiative „Keine Ruhe“
keine.ruhe [at] gmx.net

Bad Harzburg/Göttingen, 13.8.08