Protokoll vom 5. Verhandlung gegen Scheungraber am 7.10.2008 - Der Zeuge Gino Massetti

Protokoll des Verhandlungstages gegen Josef Scheungraber am Landgericht München am Dienstag, 07.10.2008 / Quelle: www.keine-ruhe.org
Zeugenaussage Gino Massetti, 79 Jahre alt, dem einzigen Überlebenden des Massakers vom 27.06.1944 in Falzano di Cortona

[Als pdf zum runterladen: http://www.keine-ruhe.org/sites/keine-ruhe.org/files/20081007.pdf ]

Ich war 15 Jahre alt, alle waren ängstlich, sind aus ihren Häusern geflohen, haben sich versteckt. Ich war neugierig, bin in das Gebiet, aus dem ich Schüsse gehört hatte. Gegenüber einer kleinen Hütte auf der Straße nach San Pietro a Dame war eine Reihe von Soldaten aufgestellt. Ich versuchte wegzulaufen, wurde aber erwischt, kam zu einer Gruppe gefangener Zivilisten.
Die Soldaten machten eine Durchkämmungsaktion, wir Gefangene mussten mitlaufen.

In Stazione di Vaglie wurde ein älterer Mann festgenommen. Wir sind zurück nach San Pietro a Dame über die Staatsstraße und von dort weiter Richtung Weiler im Wald, wo wir eine kurze Pause machten. Danach wurden wir nach Falzano geführt. Dort war eine umzäunte Villa. Wir mussten innerhalb des Zaunes etwa 1/2h warten. Dann kamen auf einem Side-car 2 Soldaten. Wir wurden in das Erdgeschoss eines Bauernhauses geführt, darin eingesperrt, dann fand die Sprengung statt.

Die Bäuerin des Hauses war weggelaufen und hatte sich versteckt, kam aber zurück, um ihren Hund zu suchen. Sie hörte meine Schreie unter den Trümmern, räumte langsam Steine und Trümmer weg, sah mein Gesicht. Ab diesem Moment konnte ich wieder normal atmen. Die Frau sagte, sie schaffe es nicht alleine, mich auszugraben und holte ihren Bruder. Sie gruben mich aus und brachten mich in ein Haus im Wald. Ich wurde bewusstlos, sie bedeckten mich mit Strohballen, nach ca. 1h kam ich wieder zu Bewusstsein. Ich nannte ihnen meine persönlichen Daten, sie riefen meine Familie. Meine Angehörigen kamen mit einem Pferd, um mich abzuholen.

Ich hatte Verbrennungen an den Augen, konnte meine Beine nicht bewegen. Zu Hause kam ein englischer Arzt, gab mir Salbe. Nachdem ich einige Zeit behandelt wurde, war ich geheilt Ich habe Unterlagen mit Zeugenaussagen von Leuten, die wissen, dass ich verletzt war, der mich mit dem Pferd abgeholt hat, der Pfarrer, ein weiterer Mann, der Arzt. Ich hatte v.a. Verbrennungen, Beine und Rücken waren gelähmt.

Richter: gibt es ärztliche Befunde?
Zeuge: der Arzt sprach von Verbrennungen und einer Blockade der Beine
R: Wie lange waren die Beine verletzt?
Z: 1 bis 2 Monate. Ich wurde immer auf dem Rücken liegend getragen. Die Augen zu öffnen hat auch gedauert, die Lider waren wegen Verbrennungen geschlossen.
R: Wie lange waren die Augen geschlossen?
Z: 1 bis 2 Monate, ich erinnere mich nicht mehr genau, es dauerte etwa 2 Monate, Augen und Beine auszuheilen.
R: Und der Rücken?
Z: Ich bekam eine Arthrose an der Wirbelsäule
R: Die Beine waren wegen herabgefallener Gegenstände verletzt?
Z: Die Beine wurden gequetscht. Ich kam in das Zimmer, kauerte mich sofort in einer Ecke auf den Boden. Der Balken fiel auf meine Beine und ich konnte mich nicht bewegen.
R: Wie viele Personen waren in dem Raum?
Z: 11. 10 Tote und ich
R: Unmittelbar nach der Sprengung gab es noch weitere Lebende?
Z: Einer schrie bis einige Minuten vor meiner Rettung
R: Sein Name?
Z: Weiß ich nicht mehr, ich kannte ihn nicht
R: Namen der anderen?
Z: Trasenni, Vater und Sohn aus San Pietro a Dame
R: Luca Cascini?
Z: nein
R: Lorenzo Donati?
Z.Der Name sagt mir was
R: Antonio Grezzi?
Z: nein
R: Zampagni?
Z.Ich hatte ihn gesehen, kannte ihn aber nicht. Ich war ein Kind, die anderen Erwachsene, ich war sehr erschrocken
R: Angiolo Lescai, Paladuni, Petrini, Sassini?
Z.Es gibt ein Denkmal mit den Namen, daher kenn ich sie. Wir waren Bauernsöhne, haben verstreut gelebt
R: Sie kamen aus einem Nachbarort?
Z: aus Poggioni
R: wie weit von San Pietro a Dame entfernt?
Z: 4 km
R: warum sind von dort etliche geflohen und haben sich versteckt?
Z: Sie haben Schüsse in der Nähe gehört
R: und Sie?
Z: Ich auch
R: Sie waren neugierig?
Z.ja
R.haben Sie von einem Vorfall zwischen Partisanen und Soldaten gehört?
Z: Ich habe danach erfahren, Soldaten wären in Falzano getötet worden. Partisanen hätten auf sie gewartet und beschossen
R: Bei der Durchkämmung wurde in Stazione ein älterer Mann gefangen?
Z.ja
R: sein Name?
Z Brusco, den Nachnamen weiß ich nicht
R: was ist mit ihm geschehen?
Z: er ist mit uns gestorben
R: Zurück nach San Pietro a Dame ging es über die Landstraße?
Z: ja
R.mit einer Pause in Falzano?
Z: ja, es gab eine Gefangennahme in Colle Lungo, da sind ein paar Häuser und wir haben Pause gemacht
R: was geschah?
Z: Canellino, ein junger Mann wurde gefangen genommen
R: was geschah mit ihm?
Z: er starb
R: Sonstige Ereignisse?
Z: ich kann mich an nichts erinnern, hatte panische Angst, wie ein kleines Hündchen, saß am Rand
R: zeitliche Einordnung?
Z: Marsch von Poggioni nach San Pietro a Dame ca. 9 Uhr
In Falzano ca. 15 Uhr
Sprengung des Hauses ca. 1 Stunde später
R: gab es auf dem Weg nach Falzano Tötungen?
Z: während des Marsches gab es keinen Beschuss
R: In Falzano kam das Side-car mit den 2 Soldaten. Was haben die gemacht?
Z: Es gab da eine Villa, zu der eine kleine Straße von der Hauptstraße abzweigte. Ein Soldat stieg aus dem Side-car bei der Abzweigung aus und schrie etwas. Die übrigen Soldaten, die sich zuvor bewegt hatten, standen still.
R: Habe Sie etwas verstanden?
Z: nein, ich stand hinter der Mauer, hatte Angst
R: Wie war die Situation der Gefangenen, als das Side-car kam?
Z: Der Hof war von einer Mauer umgeben, wir standen an ihrer Innenseite, einer neben dem anderen
R: stehen oder sitzen?
Z: wir standen
R: die Aufstellung war frei?
Z: Wir waren angewiesen, ganz nahe an der Wand zu stehen
R: Als der Soldat aus dem Side-car schrie, was passierte dann?
Z: wir wurden woanders hin gebracht
R: wie weit?
Z: ca. 500 Meter
R: Kannten Sie den Besitzer des Gebäudes?
Z: nein
R: den Namen des Gebäudes
Z: nur vom Hörensagen, Fattoria Falzuno
R: wie lange waren Sie im ersten Gebäude, bis der Soldat im Side-car kam?
Z: ca. 20 min
R: im anderen Gebäude?
Z: ca. 1 Stunde
R: wo
Z: draußen auf dem Platz vor dem Gebäude
R: wie viele Soldaten waren in San Pietro a Dame?
Z: ca. 20 bis 30
R: Waren sie in Bewegung, was haben sie gemacht?
Z: Sie waren wie ein Fächer aufgestellt, einer neben dem anderen
R: Es gab Colle Lungo, Stazioni, San Pietro a Dame, Falzoni, sind in einem Ort Soldaten dazu gekommen?
Z: Sie heben sich verteilt, haben anscheinend verschiedene Gebiete überwacht
R: Wie viele waren in Falzano, als Sie in das Haus gesperrt wurden?
Z: Es waren ca. 10 Soldaten
R: und bei der Ankunft in Falzano?
Z: es waren da weniger. Wir wurden den Weg entlang geführt, ein Soldat vorne, einer hinten. Nach der Ankunft in Falzano waren es dann mehr , ca. 10 Personen. Sie waren immer in Bewegung, nicht an einem Ort
R: Vor dem Einsperren gab es da Vorbereitungen?
Z: ich habe nichts gesehen, nur Zivilisten die Kisten auf den Schultern getragen haben
R: Was geschah mit den Kisten?
Z: Sie wurden in das obere Stockwerk getragen, die Zivilisten sind dann mit den Deutschen weggegangen
R: wie haben die Kisten ausgesehen?
Z: Lang, rechteckig, es waren Sprengstoffkisten
R: Handelte es sich erkennbar um Sprengstoff?
Z: ja, aber damals wusste ich das noch nicht
R: Wurden Sie damals von einem Dolmetscher befragt?
Z: nein
R: andere Gefangene?
Z: nein, soweit mir bekannt
R: wurde das Gebäude verschlossen?
Z.ja, die Außentüre
R: wie haben Sie das mitbekommen
Z: ich habe es gehört
R: wurden auch andere Gebäude gesprengt?
Z: ja, das Gebäude neben dem Bauernhof
R: Bezeichnet „Bauernhof“ das Gebäude, in dem Sie eingeschlossen waren?
Z: nein, das davor, in dem wir warten mussten
R: gab es weitere Sprengungen?
Z: ich habe nur diese eine gehört
R: wie sahen die Soldaten aus?
Z: beeindruckend, mit Schirmmützen mit langem Schirm, in Kaki-Uniformen
R: Wer sah so aus?
Z: die Soldaten
R: alle gleich?
Z: ja
R: und der Soldat aus dem Side-car, der die Befehle erteilte?
Z: kann ihn nicht beschreiben, ich hatte so große Angst, habe gezittert
R: Rangabzeichen?
Z. Sein beretto/Barett/Mütze (s.u.) war anders, runder mit kleinerem Schirm wie bei den carabinieri in Italien
R: die Farbe der Uniform
Z: war bei allen gleich
R: sein Alter?
Z: weiß nicht, jung, alt war er nicht

R: Am 28.06.05 wurden Sie in Anwesenheit eines deutschen Staatsanwaltes in La Spezia vernommen, erinnern Sie sich
Z: ja
R: dort wurde ein Buch mit Fotos von Uniform-Typen vorgelegt

Der Richter legt das Buch vor, alle Parteien treten an seinen Tisch, es geht wohl um den Abgleich von Gino Massettis Aussage in La Spezia, ob und welche Uniformen denen der deutschen Soldaten vom 27.06.1944 ähneln.

Der Richter zitiert im Folgenden Auszüge der Aussage Massettis von La Spezia (im Folgenden mit Gänsefüßen gekennzeichnet)

R: „Ich lief mit einem anderen, der auch in Poggioni lebte, am Vormittag weg“
Z: ich bin ca. um 9h mit einem Begleiter weggelaufen. Der andere kam wieder frei, sein Vater sprach deutsch
R: „Wir durchquerten den Wald, kamen am Stauwehr vorbei auf dem Weg nach San Pietro a Dame. Da war ein Trupp Soldaten in Fächerform, ca. 30 Personen“
Z: Ja, es war halt so ein Zug
R: Haben sie geschossen?
Z: damit ich anhalte, in die Luft und in den Boden, ich wurde nicht getroffen
R: „Es wurde geschossen ein Soldat packte mich, schleuderte mich in die Gruppe von Gefangenen“
Z: ja, ich legte mich hin, Gesicht zum Boden und er hat mich gepackt
R: „die deutschen Soldaten hatten Kaki-Uniformen an mit Schirmmützen aus Stoff, keine Erinnerung an Abzeichen oder Symbole, keine Erinnerung an Schuhe, Bewaffnung unklar“
Z: Später hatte ich selbst eine militärische Ausbildung es waren automatische Waffen, unklar welcher Typus exakt, ich nenne sie mal Maschinenwaffen, es waren aber in jedem Fall automatische Waffen
R: „Ein Soldat hatte ein Abzeichen als MG-Schütze“
Z: ich hab keine Erinnerung
R: „9 Gefangene“
Z: ja, nach mir wurden noch 2 weitere gefangen genommen
R: „wir waren 9 in der Gruppe, gingen nach Colle Lungo, hielten öfters an, die Soldaten schossen auf unbekannte Ziele“
Wurden die deutschen Soldaten beschossen?
Z: weiß nicht
R: Wurden weitere Personen getötet?
Z: hab ich später gehört, dass auch andere getötet wurden
R: Bistarelli?
Z: weiß nicht
R: Santi Lesciai?
Z: weiß nicht
R: Donati?
Z: vom Sehen kenn ich sie, Angiolo und Lorenzo
R: Ferdinando Cannicci?
Z: weiß nicht
R: “in Colle Lungo wurde Canellino verhaftet, wir betraten das Haus von Tozzepponi“
Z: ja, da haben wir Pause gemacht
R: „alle 8 außer Zampagni kannte ich vom Sehen“
Z: ja, aber ich hab sie nicht richtig gekannt
R: „nach ca. 20 min gingen wir von Colle Lungo nach Stazzioni, einem Ortsteil von Vaglie, als Soldaten die Kirche beschossen“
Z: richtig, wir mussten anhalten, kauerten uns in eine Vertiefung. Sie haben zur Kirche geschossen und einen alten Mann gefangen genommen
R: „In Stazioni wurde Brusco, ein alter Mann, gefangen, dann gingen wir weiter Richtung Falzano, ohne weitere Vorkommnisse. Wir machten Pause in Lingiale, einem kleinen Weiler“
Z: ja, das war ein kleiner Weiler im Wald
R „wir kamen um 13.30h in Falzano an. Es wimmelte von Soldaten. Wir mussten uns an einer Mauer aufstellen“
Z: richtig
R: vorhin sprachen Sie von 10 Soldaten, in La Spezia dagegen „es wimmelte von Soldaten“
Z: 10 Soldaten waren es, als wir am späteren Gebäude waren. Bei dem ersten Gebäude, der Fattoria waren es viele Soldaten
R: wie viele?
Z: Sie gingen rein, raus, hoch, runter, waren immer in Bewegung, waren nicht zu zählen
R: „Sie trugen gleiche Uniformen“
Z: richtig
R: Wie haben Sie die Situation eingeschätzt
Z: Ich weiß nicht, war ein Kind, ich hab nichts gedacht, nur gezittert vor Angst, ich bin einfach mit den Anderen mitgelaufen
R: Einschätzungen anderer Gefangener?
Z Als wir zum Haus marschiert sind sagte einer, sie bringen uns nach Deutschland. Canellino sagte, wir kommen ins KZ
R: Stellten die Mitgefangenen Überlegungen an warum sie gefangen wurden?
Z: es ist nichts geredet worden. Als wir eingeschlossen wurden, sagte einer, jetzt werden wir alle umgebracht
R: Wie lange dauerte es vom Zeitpunkt des Einsperrens bis zur Sprengung?
Z: 5 Minuten
R: war was zu hören, als Sie eingesperrt waren?
Z: nein
R: Personen am oder im Haus?
Z: niemand
R: nach der Sprengung gab es einen anderen Überlebenden
Z: er schrie
R: wie weit war der entfernt?
Z: er war quasi über mir, durch den Druck der Explosion
R: War er eingeklemmt, konnte er sich bewegen?
Z: Er hat sich ein wenig bewegt und dabei mir weh getan ich rief ihm zu still zu halten. Er hat sich dann nicht mehr bewegt
R: wurde geredet?
Z: man konnte nicht reden, man durfte sich nicht bewegen, sonst wäre man weiter zusammengepresst worden.
R: Schossen Soldaten auf Sie
Z: ja, sie schossen in die Trümmer
R: hatte sich was geregt, gab es Schmerzensschreie?
Z: es gab einen Schrei, dann 1 bis 2 Salven, danach bewegte sich niemand mehr
R: die Salve kam nach dem Schrei?
Z: richtig
R: Sie waren still, und der andere? Gab es Schmerzensschreie?
Z: Ich war es, der um Hilfe gerufen hatte
R: Waren da Soldaten wahrnehmbar?
Z: nein, das war später
R: gibt es Ermittlungsergebnisse, woran der andere gestorben ist?
Z: er ist erstickt
R: woher wissen Sie das?
Z: er hat nicht mehr geatmet, sich nicht mehr bewegt, er war ganz aufgebläht, ich hab das nicht gesehen, es wurde mir erzählt
R: Zitat La Spezia“1/2 Stunde vor meiner Befreiung verstummten seine Klagen. Als er klagte rief ich, er solle sich nicht bewegen. Auch andere klagten, aber nur wenige Minuten“
Z: Das war kürzer. Ich wurde mehrfach ohnmächtig. Die Deutschen sind gegangen, nachdem sie nichts mehr gehört haben. Später habe ich gehört, sie waren tot, weil sie zerquetscht wurden. Es wurden auch zerfetzte Leichen gefunden. 2 starben durch die Klingen der Futter-Häxelmaschine, Vater und Sohn Trasenni
R: eine Futter-Häxelmaschine?
Z: ja
R: „einer erstickte neben mir“
Z: ja
R: Bei der Ankunft in Falzano, wie viele Soldaten waren da, wurden die Gründe für die Festnahmen mitgeteilt? Zitat La Spezia“niemand hat was erklärt, ich hatte Angst. Canellino, ein versprengter Frontsoldat sagte, w3ir kämen nach Deutschland ins KZ, wohl um uns Mut zu machen. Canellino wurde in Colle Lungo verhaftet“
Z: ja, das stimmt
R: was bedeutet versprengter Frontsoldat?
Z: er war weggelaufen
R: „Das Side-car kam nach 10 Minuten ein Offizier stieg aus und schrie, ich habe nichts verstanden und wir mussten sofort in das Bauernhaus“. Die Rede ist von einem Offizier
Z: Das hab ich so nicht gesagt, ich war damals gar nicht in der Lage, einen Offizier zu erkennen.
R: „Ich erkannte den Offizier nicht am Grad, aber vermutete es, weil er Befehle erteilte“
Z: Aus heutiger Erfahrung meine ich, es war kein einfacher Soldat, er hatte Befehle erteilt.
R: „Er kommandierte und ihm wurde gehorcht“
Z: richtig
R: „Er hatte eine andere Mütze mit dunklem Schirm“
Z: ja, so wie wir

Der Richter zeigt Fotos, ob Gino Masetto Uniformen oder Gesichter erkennt. Er erkennt keine Personen. Auf einer Landkarte soll er die zurückgelegten Wege zeigen

R: Es gab am 19.10.1944 eine erste Vernehmung unter Beteiligung eines Dietro Nocentini. Dabei wurde der Name des Bauernhofes Palazzo Agliolo genannt.
Z: Das ist das erste Haus
R: Zitat La Spezia „Wir nähern uns einem Bauernhaus. Die Deutschen sprengten es“
Z: Es war das Haus daneben
R: „Sie führten uns in ein anderes, eine Schule“
Z: Das wurde gesprengt mit uns
R: „wir wurden eine Stunde draußen festgehalten“
Z: richtig
R: „Soldaten kamen und gingen und riefen“
Z: richtig
R: In der Schlussphase waren es 10 Soldaten?
Z: Draußen waren es 10 Soldaten, später kamen weitere hinzu
R: Wann kamen die Zivilisten mit den Kisten?
Z: Ganz kurz, bevor wir in das Haus getrieben wurden. Sie gingen mit den Kisten über die Außentreppe in den 1.Stock, ich sah sie beladen hoch und leer wieder runtergehen. Wir wurden ins Haus getrieben, vermutlich in den Stall, es gab eine Häxelmaschine, auf dem Boden lag Stroh. Wir weinten, hatten Angst
R: mussten alle Gefangene in das Haus?
Z: einer wurde befreit
R: wer?
Z: Ein Lorenzo, deutscher Abstammung, er ging direkt vor mir rein, ich dann als letzter, er wurde rausgezogen
R: Haben Sie Lorenzo dann später gesehen?
Z: ich kann mich nicht erinnern. Ich hab gehört, dass er Stühle herstellt und kein Italiener ist. Ich kannte ihn nicht
R: „Ein Stuhlmacher überzeugte die Deutschen, ihn freizulassen“
Z: richtig, das ist Lorenzo
R: „Er rettete sein Leben, ich sah ihn wieder in Cortona“
Z: Ich kann mich nicht daran erinnern, er ist schon lange tot
R: „Lorenzo erzählte, die Tür sei mit Eisendraht verschlossen worden, und Zampagni versuchte erfolglos freizukommen indem er sagte, er sei Faschist“
Z: Zampagni ging vor Lorenzo rein, Lorenzo kam raus, ich ging rein
R: „Zampagni starb zusammen mit den anderen“
Z: richtig
R: „Wir hörten Schritte. Zuerst die Treppe runter, dann Stimmen draußen, dann Schritte rauf und wieder runter.“
Z: richtig. Das erste Mal hat es nicht funktioniert. Beim zweiten Versuch kam es zu Explosion
R: „Bei der Explosion saß ich in einer Ecke des Raums, ein Balken schützte mich vor den Trümmern, ich war auch durch den Körper eines über mir liegenden Kameraden geschützt. Einige Minuten hörte man Stöhnen, danach Totenstille. Weil welche gejammert hatten schossen deutsche Soldaten MG-Salven in die Trümmer. Ich glaube nicht, dass jemand getroffen wurde. Wir waren von Trümmern bedeckt, für uns 2 wäre es besser gewesen, getroffen zu werden.“
Z: ja, auch für mich. Noch 5 Minuten länger und ich wäre tot gewesen. Ich konnte nicht atmen
R: „Die Explosion war am Nachmittag, um 2 Uhr in der Nacht wurde ich befreit.“
Z: Das stimmt so in etwa
R: „Überall war Staub, ich litt stark unter Atemnot, die Trümmer warenglühendheiß, die Brandwunden machten mir ein Jahr lang zu schaffen. Ich jammerte, man solle mich töten“
Z: ja
R: Ein Jahr machten die Brandwunden zu schaffen?
Z: ich wurde zur Behandlung auf dem Rücken liegend getragen
R: und die Jahre danach?
Z: es ging mir gut, ich hatte Rückenschmerzen, ich hatte ein Stützgerät mit Eisenstäben
R: Wie lange?
Z: Im Krankenhaus in Pesaro wurde das Gerät bestellt, ich trug es den ersten Monat dauernd, danach zeitweise
R: wie lange zeitweise?
Z: auch jetzt noch ab und zu. Manchmal kann ich morgens nicht aufstehen. Meine Frau muss mir dann die Schuhe anziehen. An solchen Tagen trage ich es
R: Wie ging es Ihnen dann psychisch und physisch?
Z: ganz gut, ich wurde Carabiniere, war dafür bei den ärztlichen Eignungstests auch für geeignet befunden worden. Körperlich ging es mir ganz gut
R: und die psychische Verarbeitung, und wie ist es aktuell?
Z: Am Anfang ging es mir sehr schlecht. Ich hörte deutsche Sprache und bin sofort weggelaufen. Heute lebt mein Sohn in der BRD. Ich habe wunderbare Menschen kennen gelernt. Ich fühle mich wohl
R: „Der Bauer, der oberhalb von mir lag, er ist am Stauwehr gefangen genommen worden, er erstickte, erhatte keine Verletzungen, seine Leiche war stark aufgebläht. Er klagte und bewegte sich, daraufhin fielen Teile herunter und ich rief, er soll sich ruhig halten. Die Trümmer waren glühend heiß. Es wäre besser gewesen, gleich getötet worden zu sein“
Z: ja, das stimmt
R: „Wir bekamen keine Erklärung für die Gräueltaten“
Z ja
R: „Nach meiner Gefangennahme auf dem Weg zur Schule sahen wir einen umgestürzten Wagen und ein totes Pferd“ Stimmt das?
Z: Später habe ich gehört, zwei Deutsche hätte bei Bauern ein Pferd genommen seien auf der Straße in einer Kurve von Partisanen beschossen worden
R: Hatten Sie Informationen über Partisanen in der Gegend?
Z: Nein, ich wusste nicht, dass es Partisanen gab, ich wäre auch gar nicht in der Lage gewesen zu verstehen, was Partisanen sind
R: „Ich habe keine gesehen, ihr Befehlstand soll in der Nähe von Vaglie gewesen sein.“ „ Ich kann die deutschen Soldaten nicht beschreiben“ „Das Haus war aus Stein, 2 Zimmer im Erdgeschoss und ein Obergeschoss. Das Haus war bei unserem Eintritt unversehrt“ „Soldaten brachten uns zum Haus. Dort waren weitere Soldaten in identischen Uniformen“ An die Zeugenaussage vom 19.10.1944 haben Sie keine Erinnerung?
Z: nein, die Kopie trägt auch keine Unterschrift
R: hat Sie vielleicht mal ein Offizieller zu Hause besucht und was aufgenommen?
Z: nein, nie
R: Aussage in La Spezia über Uniformen „Sie waren grau-grün, vielleicht eine leichte Uniform, Mützen mit langer Krempe, so wie sie heute verwendet werden. “Was ist gemeint, welche Form der Mützen, ist Barett das richtige Wort?
Z: Ich erinnere mich nicht an die genaue Form, ich hatte zu viel Angst, ich glaube, es war diese Barett-Form
R: Sie sprachen von grau-grün, an anderer Stelle von Kaki
Z: Ich habe immer von Kaki und Sommeruniformen gesprochen.

2.R: Haben die Soldaten Häuser durchsucht?
Z: ich weiß nicht, in Colle Lungo durchsuchten sie ein Haus
2.R: „das Haus von Zepponi, sie liefen in alle Häuser und riefen laut“
Z: ja, das Haus von Zepponi ist in Colle Lungo
2.R: Was ist ein Side-car?
Z: Ein Motorrad mit Beiwagen

RA: fragt nach Kleidung der Soldaten, Jacken, ob es Offiziere im Side-car waren
Z: er erinnert sich nicht, er hatte Angst
RA: Sie sagen aus, in San Pietro a Dame festgenommen worden zu sein, an anderer Stelle nennen Sie Poggione
Z: Ich sage aus, an was ich mich erinnere ich war ein Kind, das auf dem Land aufgewachsen ist
RA: In der Aussage 1944 heißt es Schule, später dann Bauernhaus
Z: Ich denke die Schule war im Obergeschoss und der Bauer hatte andere Räume. Damals waren Schulzimmer üblicherweise in Bauernhäusern
RA: Ist das kein Widerspruch, diese Doppelnutzung
Z: nein, bei mir war das auch so
RA: zitiert Zeugenaussage Zepponi vor dem Militärgericht La Spezia „nur wenige Soldaten waren beteiligt, in Colle Lungo waren es nicht mehr als 5 oder 6, insgesamt waren es 10
Z: ich habe sie nicht gezählt, ich weiß nicht, wie er das so genau wissen konnte
RA: Zepponi weiß von einer Frau, die die Soldaten italienisch reden hörte
Z: ich habe keinen italienisch reden hören
RA: Wissen Sie von einer späteren Anwesenheit italienischer Truppen in Cortona?
Z: nein
RA: und von schwarzen Brigaden in Arezzo?
Z: nein
RA: Das LKA in NRW erstellte eine Zusammenstellung in Zusammenarbeit mit Staatsanwalt Lutz am 16.02.2007. In einer Fußnote (103 EA1) heißt es: „Am 06.07.1944 kam eine Kompanie italienischer SS nach Partina (?) Es waren 200 bis 300 Soldaten in grau-grünen Uniformen, teils in Tarnhosen. Gegen Ende Juni kam ein Todesbattallion aus Partina. Sie waren zu Durchkämmungsaktionen gegen Partisanen eingesetzt.“ Sie haben von Brigate Nere nichts gehört?
Z: nein
RA: Später unter der Republik von Salò, die Republikanischen Garden oder SS Italiana, nichts davon gehört?
Z: Mir ist nichts bekannt

RA2: Sind Sie in La Spezia in der Richtung befragt worden?
Z: nein
RA“: In Ihrer Aussage vom 08.11.2004 sprachen Sie von grauer Uniform und Barett. Teile der italienischen Kräfte sahen so aus
Z: ich habe nicht grau, sondern kaki gemeint
RA2: mit grau, Barett, aufgesetzter Tasche war kaki gemeint?
Z: ja
RA2: Barett bezeichnet im Deutschen eine bestimmte Hutform, beretto könnte im Italienischen anders verwendet werden. Italienische Soldaten haben Barette getragen.
Die Dolmetscherin gibt an, dass beretto der Oberbegriff Mütze ist, sie ansonsten keine Fachfrau für Militärkleidung sei, und ohnehin nicht wisse, was ein Barett sei.
RA2: In der Aussage 1944 heißt es „in der Zwischenzeit wurden der Palazzo Agliolo und umliegende Häuser gesprengt“
Z: Das ist nicht meine Aussage
RA2: Aussage vom 28.06.05 „bei unserer Ankunft in Falzano um 13.30 Uhr wimmelte es von Soldaten.“ Heute sagten Sie, Sie kamen um 15 Uhr an
Z: Ich hatte keine Uhr dabei
RA2: 2004 sagten Sie, die Bäuerin und ihr Bruder hätten Sie um 2 Uhr in der Frühgeborgen und nach Falzano getragen
Z: richtig
RA2: 1944 heißt es „ich blieb bis 19 Uhr in den Trümmern, eine Person aus Trestina rettete mich“
Z: Die Vernehmung 1944 ist mir nicht erinnerlich
RA2: Aussage vom 28.07.2005 „die anderen 8 Gefangenen kannte ich aus der Nachbarschaft vom Sehen her, außer einen“ „Wir wurden in die Casa Canicci gesperrt, ich kannte keinen“ Was stimmt?
Z: Ich kannte sie vom Sehen, d.h., nicht persönlich, ich war ein kleiner Junge
RA2: In Colle Lungo wurde ein junger Mann aufgegriffen. Kamen alle aus Colle Lungo oder Falzano?
Z: Sie kamen aus der Gegend, aus unterschiedlichen Orten, ich glaube, gar keiner kam aus Falzano
RA2: Gibt es noch einen Gino Massetti in Cortona?
Z: nein, nur mich
RA2: In der Aussage 1944 wird das Geburtsdatum 08.05.1929 angegeben. Der Zeuge ist aber am 26.05.1929 geboren
Z: das ist nicht meine Aussage
RA2: Haben Sie andere Explosionen gehört?
Z: nein, nur das Haus neben der Villa
RA2: Aussage „Im Verlauf kam es zu Flak-Beschuss
Z: Ich habe keine Flak gehört oder gesehen
RA2: Aussage vom 28.06.2005 „ringsherum wimmelte es von Soldaten“
Dann war wieder von 10 Personen die Rede. Was stimmt?
Z: Bei der Ankunft waren es noch weniger, einer vorne, einer hinten. Später war es Durcheinander es waren viele, sie wimmelten
RA2: Wie sah der Offizier in Side-car aus
Z: Ich erinnere mich nicht
RA2: schwarz oder kaki?
Z.der Offizier war nicht schwarz, alle waren kaki gekleidet
RA2: Auf der Wache in Cortona wurde am 15.01.2005 aufgenommen „uniforma nera“
Z: Das ist falsch
RA2: Ist das Ihre Unterschrift auf dem Protokoll?
Z: ja
RA2 2005 gab es 2 Vernehmungen
Am 15.01. in Cortona bei den Carabinieri und am 28.06. vor dem Militärgericht in La Spezia. Im Protokoll vom 15.01. steht schwarz
Z: das ist absolut ein Fehler, ich habe immer von khaki und Sommeruniformen gesprochen

Gino Massetti gibt zum Schluss an, er möchte mit der Thematik abschließen und wünscht nicht mehr mit Behörden und Presse zu tun zu haben.