Zum Download: Protokoll im PDF-Format
Zu Beginn der Verhandlung: Der nächste Termin am 17.10. wurde abgesagt, weil an diesem Tag der Schwager Scheungrabers beerdigt wird.
Der Neffe Scheungrabers und Sohn des Verstorbenen hat sich mit einem Schreiben an das Gericht gewandt, worin er bittet die Verhandlung stattfinden zu lassen. Seine Familie habe bereits vor 10 Jahren den Kontakt zu Scheungraber wegen dessen brauner Gesinnung abgebrochen und es sei auch bei der Beerdigung nicht erwünscht. Dieses Schreiben wurde offiziell nicht erwähnt.
Anwesend: alle 3 Verteidiger. Stünkel kommt wie immer zu spät.
Zu Beginn der Verhandlung fragt das Gericht, ob die Parteien mit einer Videovernehmung bzw. Verlesung der Vernehmungsprotokolle der italienischen und österreichischen Zeugen einverstanden wären.
Die StA verzichtet auf die Vorladung der ital. ZeugInnen, will aber den Österreichischen vorladen lassen.
Vert. Thesen wäre komplett nur mit Protokollverlesung einverstanden
Die Nebenklage möchte eine mündliche Vernehmung der ital. ZeugInnen
Richter: Mit dem Zeugen Baki konnte bislang aus gesundheitlichen Gründen nicht einmal eine Videovernehmung durchgeführt werden.
Zeuge: Sandro Romano, 47 Jahre, Carabinieri-Beamter, Südtirol (spricht deutsch, die anwesende Dolmetscherin wird nicht benötigt)
wurde Ende 2001 nach La Spezia beordert zu Dr. De Paolis, Militär-StA.
es wurden auch Ermittlungen zu St. Anna, Marzabotto, Civitella etc. durchgeführt
war oft in dt. Archiven (Berlin, Freiburg …)
Jan 03 Ermittlungsauftrag wegen „Vergeltungsschlag“ in Falzano di Cortona durch dt. Soldaten 1944. Die Gemeinde hatte einen Brief geschrieben
wussten nur von der Existenz einiger Zeugen
erfuhren, dass vorher 2 dt. Soldaten beim Bau einer Brücke erschossen wurden – schlossen daraus, dass es sich um eine Pionier-Einheit handelte
fuhr nach Berlin und untersuchte Verlustmeldungen dt. Soldaten in diesem Zeitraum. Verlustmeldung war von Einheit in San Leo di Pastilla, östlich des Tatorts
aus Freiburg: Erkennungsmerkmalverzeichnis und Kriegstagebücher – konnten die Einheit feststellen: 1. und 2. Kompanie des Gebirgspionierbatallion 818 (die 3. und 4. Kompanie kamen erst später) waren zu dieser Zeit vor Ort. Kommandeur des Batallions war Major Stommel, Kommandant der 1. Kompanie Leutnant Scheungraber, der 2. Kompanie Broschier. Die 1. und 2. Kompanie bestanden je aus 3 Zügen zu je 3 Mannschaften/Gruppen von je 12-15 Mann. Eine Kompanie bestand demgemäß aus ca. 150-170 Soldaten. Sie hatte nur einen Kompanieführer, nicht wie in anderen Wehrmachtsbereichen mehrere – hier nur 2 Offiziere.
die Vernehmungen in Italien und mit dem LKA in Düsseldorf ergaben jeweils ein weiteres Puzzlestück. In Italien wurden vernommen: Gilg und Pircher, in BRD: Forstner, Huber und Pichler (?)
Richter fragt, welche Personen ums Leben gekommen sind
Zeuge:
26.6.44 Ferdinando Carnici, zw. Falzanokirche und Haus Carnici um 10.00 erschossen. Laut Totenschein am 27.6.44 – ist möglicherweise Fehler des damaligen Sachverwalters der Gemeinde
26.6.44 Gino de Rossi, auch bei Kirche, keine Zeugen
Richter: haben Sie Erkenntnisse über die Quellen des Buchautors Pietro Pancrazi „La piccola Patria“
Zeuge: ist verstorben, gab an Archivunterlagen der Gemeinde Cortona genutzt zu haben
26.6.44 Frau Bistarelli, geb. Cassuci, auf der Flucht um 13.00
27.6.44 Angelo Donati, 14.00, wurde verletzt, hat sich versteckt, wurde gefunden und erschossen
…….
Richter: woher haben Sie diese Informationen
Zeuge: weiß nicht mehr, hatte keine Akteneinsicht vor dieser Vernehmung
Es werden am Richtertisch die Totenscheine der am 27.6.44 ermordeten mit Namen und Alter vorgelesen
Vert. Stünkel fragt nach Angabe der Todesursache
Zeuge: wird normalerweise angegeben, kam aber während des Krieges öfter vor dass nicht
Zur Vernehmung des inzwischen verstorbenen Zeugen Gilg v. 18.9.2004:
geb. 21.4.22, wurde 28.4.43 einberufen, Ausbildung Gebirgspioniere in Mittenwald, Ende Jan. 44 mit 818. Gebirgspionier-Batallion nach Italien, Monte Casino, war bis Kriegsende in Italien
kann sich an den Tag erinnern, auch daran, dass die 1. und 2. Kompanie mit ihren Kommandeuren beteiligt waren, auch Batallionskommandeur Stommel war beteiligt
erinnert sich an Stommel, kann sich aber nicht erinnern wer die Chefs de 1. und 2. Kompanie waren
ist vor der geplanten 2. Vernehmung gestorben
war ganz rüstig, einfacher Mensch, Leben als Landwirt in den Bergen
alles wurde so niedergeschrieben wie er es gesagt hat
Richter verliest aus Vernehmungsprotokoll:
die 1. Kompanie war seit Mai 44 nur noch im Rückzug
war ab Juni 44 Gefreiter, an Jan 45 auf Urlaub
war beim Tross in der Provinz Arezzo
Kommandant war ein Oberleutnant, erinnert sich nicht an Name
Major Stommel war Bat.Kommandant bis 45
auf Vorhalt „erinnern Sie sich an Offizier Scheungraber?“ – „Ja, war Oberleutnant und Kompaniechef der 1. Kompanie von Anfang an
kann sich nicht an ein Dorf namens San Leo Pastilla erinnern
kann sich an Partisanenangriff mit 2 toten dt. Soldaten erinnern. „Als der verletzte Soldat bei uns ankam wurde ein Partisaneneinsatz organisiert. Da war die 1. und 2. Kompanie beteiligt. Major Stommel war anwesend“
Zeuge:
Partisaneneinsatz hieß „wir mussten die Häuser durchsuchen und in Brand setzen)
die Antworten kamen relativ schnell, nachdem er sich zurück erinnert hatte. Er konnte der Vernehmung gut folgen. Wir ließen ihn einfach reden. Wir wollten die Vernehmung wahrheitsgetreu haben und haben es so übernommen wie er es sagte.
geplant war, ihn in einigen Wochen noch mal zu vernehmen, aber ist vorher verstorben
schwierig war allenfalls der südtiroler Dialekt
Gilg war damals 82 Jahre alt, ein kleiner, körpelich verbrauchter Mensch, aber geistig fit
ihm (Gilg) wurde vorgehalten, um welchen Vorfall es bei den Ermittlungen ging
er sei dabei gewesen, aber nur beim Tross, habe nur mit den Pferden zu tun gehabt und Sachen transportiert. War bei der Sprengung selbst nicht dabei, Kameraden haben ihm davon erzählt, er weiß aber nicht wer. „Die Aktion wurde von Angehörigen der 1. und 2. Kompanie d. 818. Geb.pionier.bat. durchgeführt. Ich war da nicht dabei“
und „bei der ganzen Aktion waren 2 Kompanien und Major Stommel dabei“
Richter: andere Kameraden aus Südtirol des 818. Bat.?
Z: Aufzählung diverser Namen – „die meisten waren schon verstorben“
Richter: Verfassung von Gilg?
Z: okay, körperlich schwach, geistig voll da
Vert. Thesen: Gilg nannte seinen Chef Oberleutnant, weil er 2 Sterne hatte – das ist ja falsch
Z: so hatte er ihn am Schluss in Erinnerung, als OL, damals war er natürlich Leutnant
Th: hat er von Instandsetzung einer Brücke gesprochen?
Z: glaub ich nicht
Vert. Stünkel: war Ihnen damals schon bekannt, dass Scheungraber nicht von Anfang an Kompaniechef war?
Z: kann ich nicht präzise sagen. Wenn die Vernehmung den Anschein erweckt, sie sei nicht so ordnungsgemäß geführt worden, liegt das an dem damaligen Wissenstand zur Tat
St.: Gilg sei nicht beteiligt gewesen, aber beide Kompanien – ist das kein Widerspruch?
Z: er war dabei, aber nicht bei allen Sachen, z.B. bei der Sprengung nicht
St.: welche Züge/Gruppen beteiligt waren wurde nicht gefragt?
Z: glaube nicht, von Gilg keine Angaben
St.: Sie hatten bereits die Aussage von Pircher – hat sehr umfangreich ausgesagt. Hat es sich nicht angeboten daraus Vorhalte zu machen?
Z: hielt ich damals nicht für angebracht
St: erinnern Sie sich, dass der Name Stengel gefallen ist?
Richter: in Vernehmung Pircher
Z: wurde von mir nicht bei Herrn Gilg gefragt
Zeuge über die Vernehmungen Pircher, inzwischen auch verstorben
Vernehmung vom 6.2.04:
war bei der Vernehmung ganz rüstig
geb. 27.1.20, Einberufung 43, war Gebirgspionier, wurde nach Italien beordert, nach San Pietro Adane, , die Achselspangen waren schwarz
erinnert sich an Zugführer Feldwebel Brandmeier und Offizier Stengel, 1 Kompanie
hat irgendwas von Vergeltungsschlag gesagt – kann mich nicht mehr erinnern
erinnert sich nicht an die Namen der Kompaniechefs
Stommel und Broschier sagt ihm nichts
befand sich Ende Juni in San Leo Pastilla
2 Kameraden wurden angegriffen und starben. Gleich danach fuhr die Einheit nach Falzano und verhaftete einen jungen Burschen, der auf einem Feld auf Munition aufpasste. Der Knabe wurde vor Ort erschossen
war bei dieser Aktion nicht dabei, weil er einen verminten Weg bewachte
da war Stengel, Zugführer Brandmeier und die ganze Kompanie dabei.
Am nächsten Morgen um 3.00 Uhr fuhr die ganze Einheit nach Falzano/San Pietro, um Partisanen zu suchen. Pircher erfuhr Einzelheiten von dem Kameraden, weil er Wache schieben musste. Sah Rauch von Falzano – Häuser wurden in Brand gesteckt. Verantwortliche Kommandanten vor Ort waren Stengel und Brandmeier.
Ihm wurde erzählt, dass sie mit der am Vortag gefundenen Munition ein Haus verminten und 11 Männer in dieses Haus brachten. Stengel wollte die Gefangenen erst erhängen, ließ dann aber das Haus in die Luft sprengen. Der Pfarrer warnte durch Läuten die Bürger vor den Soldaten.
„bin froh, nicht an diesem Massaker teilgenommen zu haben“
Brandmeier, Stengel Pircher u.a. wurden 1945 von den Amerikanern verhaftet und in ein Gefangenenlager nach Rimini gebracht. Gehörte nicht der NSDAP an. Wurde Sept. 45 entlassen
Richter: haben sie Ermittlungen nach einem Leutnant Stengel durchgeführt?
Z: ja, natürlich, haben ihn aber nicht gefunden. Auch das LKA Düsseldorf hat das nicht recherchieren können
Richter: Vorhalt aus Bericht von Z.:
Ermittlungsergebins: Albert Stommel, Hauptmann, Dienstranghöchster Offizier der Einheit
danach Nennung weiterer Offiziere (Bucher Adolf, Frankenberg Heinrich, Hilt Franz Walter, Knapp Ernst, Martin Arno, Putz Franz, Siemer Hans)
Z: waren zu dieser Zeit nicht dabei/nicht vor Ort, sollten als Zeitzeugen vernommen werden
Vernehmung vom 11.4.2006:
es gab einen gemeinsamen Fragenkatalog mit dem LKA Düsseldorf
seine Verfassung war zu diesem Zeitpunkt gut
„ Der Brandmeier war unser Zugführer, das war der 3. Zug der 1 Kompanie, Unteroffizier Schuler war Gruppenführer – der ist beim Partisanenangriff ums Leben gekommen. Ich gehörte im 3. Zug der 3. Gruppe an“
PAUSE
Richter: Vorhalt aus Vernehmungsprotokoll
verletzter Soldat Schneider hatte Armdurchschuss li oder re – hat alles Zugführer Brandmeier erzählt, der hat es dem Kompanieführer Leutnant Stengel erzählt
am selben Tag wurden die Toten geborgen. Zivilisten (Bewohner umliegender Häuser) wurden mitgenommen, um nicht beschossen zu werden.
war bei der Beerdigung dabei
weiß nicht mehr was er zum Zeitpunkt des Überfalls gemacht hat
„am nä. Tag um 3.00 früh rückte meine Einheit gegen die Ortschaft vor und machte ein Mordstheater. Ich meine mich auch an Panzer und Artillerie erinnern zu können.“
„alle Häuser wurden durchsucht, das Vieh weggebracht. Sprengmunition wurde gefunden und in ein Haus gebracht. Zivilisten wurden in das Haus gebracht und in die Luft gesprengt. Die Zivilisten wurden vorher verhört: keiner war Angehöriger der Partisanen. Die werden vorher abgehauen sein. Erwischt hat es dann die Zivilisten, diese armen Teufel“
wurde von einzelnen Fahrern der Fahrzeuge gefragt wie man zu der Ortschaft kommt wo der Partisanenüberfall war
Richter: was wurde durch die Gruppen-, Zug- und Kompanieführer veranlasst
Z: hat immer wieder seine Erinnerung wiederholt.
- War am Anfang fit, hat dann aber abgebaut, Pausen eingelegt. 2 Jahre zuvor war er voll da, rüstig
Pircher wurden Videoaufnahmen und Landkarten der Gegend gezeigt – konnte sich an nichts erinnern
wusste nicht wo das Begräbnis war
nach Vorlage v. Foto von Beerdigung: Pircher meint, darauf Schneider, Lindmeier, Schuler zu erkennen (ist unmöglich, da es die Beerdigung von Lindmeier und Schuler war)
da der Zeuge total abgebaut hat wurde die Vernehmung hier abgebrochen
Nachfrage Beisitzer: Erschießung Soldaten am 26.6., Vergeltungsschlag 27.6., Beerdigung 28.6.
Vert. Thesen: hat er einen Befehl gehört oder gesehen
Z: habe nicht danach gefragt
Vert. Stünkel: Vorhalt Aussage bei ital. StA: „Ich bin mir nicht sicher, ob der Stengel geheißen hat, er könnte auch Stommel geheißen haben“
Z: kann dazu nichts sagen, war Aussage vor Richter und StA, war selbst nicht dabei. Pircher kam nicht von „Stengel“ und „Brandmeier“ weg. Dieser „Stengel“ war sein Chef, sein Kompanieführer, und er bringt ihn immer wieder in Beziehung zu Brandmeier. Feldwebel Brandmeier war Zugführer der 1. Kompanie. Die assoziiert er immer wieder zusammen. Gemeint hat er seinen Kompanieführer und Kompanieführer war der Herr Scheungraber.
Stünkel: richtete sich das Verfahren damals schon gegen Scheungraber, haben Sie Pircher mit dem Namen Scheingraber konfrontiert?
Z: bin mir nicht sicher
Richter: in der 1. Vernehmung konfrontiert mit den Namen Stommel, Broschier ….
Z: kann sich nicht erinnern wieso er Scheungraber nicht erwähnte
Stünkel: Pircher sagte bei Vernehmung durch MilitärStA „habe den Namen Scheungraber nie gehört“
Pircher ist 29.7.07 gestorben
Zeuge über die Vernehmung Alker, Österreich, vom 26.7.05
kann sich an die Vernehmung nicht mehr erinnern
Richter: Vorhalt aus Protokoll:
wurde davor nicht vernommen
schickt voraus, dass er Pazifist ist
ist Sommer 44 in die Gegend gekommen
kam Ende Mai/Juni 44 in Italien an die Front, Region Arezzo
kam im Laufe des Rückzug an den Po
Kragenspiegel war schwarz (= Pioniere)
Name des Vorgesetzen „Rommel Musiklehrer). Er gab mir ein Edelweißabzeichen“ – der Name wird auf Stommel korrigiert, Batallionskommandant 818. Gebirgspionierbatallion
Alker war übergewichtig und hatte Atemprobleme
wurde nach dem 31.8.44 an den Stab versetzt. Stommel als Major blieb immer sein Vorgesetzter
kann sich nicht an Namen von denen an der Front in Italien erinnern
Aufgabe der Einheit war Brücken zu sprengen
ihm wird der Vorfall in Falzano vorgehalten – darauf: „das ist für mich Neuland, ist mir nicht bekannt. Es war jedoch üblich, dass wir nach Partisanenangriffen Säuberungsaktionen vorgenommen haben“
ihm wurde vorher erklärt, dass die 1. und 2. Kompanie zu dieser Säuberungsaktion zusammen gelegt wurden – kann sich nicht erinnern
kann sich nur an Brückensprengung erinnern
Vorhalt: Haussprengung – weiß davon nichts
Vorhalt: Begräbnis – war nei auf einem Begräbnis
Frage nach Name des Kompaniechefs: kann sich nur an Ausbildungschef Leutnant Jud erinnern
Vorhalt Name Broschier – nie gehört
Vorhalt Name Scheungraber – nicht bekannt
Bildvorlage Scheungraber – kommt ihm nicht unbekannt vor, findet die Uniform komisch
Bildvorlage Stommel – kennt die Person nicht – nach Nennung des Namens ist er verwundert, wundert sich über seine Lederhandschuhe
Ihm fällt noch ein Name ein: Herr Scheitle aus Tirol
Vorhalt aus Aussage vor MilitärStA
Erinnert sich außer an Jud und Stommel noch dumpf an Scheungraber
Hatte mit div. Militär. Angriffen nichts zu tun
Säuberungsaktion am 27.6.: ist sich nicht sicher, ob er „an dem Tag schon unten war“
„Im Normalfall haben wir sofort eine Gegenaktion gestartet: umzingelt und umstellt. Haben wir Partisanen gefunden, haben wir sie erschossen und in den Dörfern noch mal demonstrativ aufgehängt. Säuberungsaktionen waren zentrale Aufgabe der Einheit, dauerten im Durchschnitt eine halbe bis dreiviertel Std. Sonst wären die Partisanen wieder weg gewesen. Ich trug ein Gewehr mit Bajonett. Wir hatten Sprengmaterial und Minen. Sprengungen gehörten zur allg. Aufgabe der Pioniere
hat an keinem Kameradschaftstreffen teilgenommen, weil er ein absoluter Kriegsgegner ist
Richter:
an die Opfer durch Schreiben der Gemeinde Cortona gekommen, das 13 Opfer aufgezählt hat? – ja
und aus dem Buch La Piccola Patria (Die kleine Heimat) – ja
werden in diesem Buch Quellen genannt? – müsste ich mir noch mal anschauen
Zitat aus Buch: „Am 26.6.44 kamen 3 dt. Soldaten zum Croccioni-Gutshof um Tiere und Nahrungsmittel zu beschlagnahmen“ und „Partisanenangriff: 2 dt. Soldaten getötet, einer verwundet und zu seiner Einheit geflohen“ – das waren die ersten Informationen – wir gingen danach nach Deutschland zur Archivarbeit
Zitat aus Buch: „Es wurde unverzüglich eine Strafgesandschaft zum Dorf geschickt. Dabei wurde ein junger Mann erschossen und sein Haus in Brand gesteckt. Am nächsten Tag kamen die Deutschen erneut und führten Razzien durch und töteten. Sie zerstörten das …-Gut. Die 11 festgenommenen Männer steckten sie in das Haus und jagten es mit Sprengstoff in die Luft. Aus den Trümmern konnte nur 1 Person lebend geborgen werden.“
Auf S. 34 werden die Getöteten aufgezählt.
Z: stehen auch auf Denkmal am Tatort
Vert. Thesen: haben Sie auch nach anderen Einheiten oder Verbänden gesucht, außer den Pionieren
Z: ja, sicher, z.B. in den Kriegstagebüchern. Es ist klar, dass das 818. Geb.pionierbat. nicht allein den Krieg gegen die Alliierten geführt hat. Aber in dieser Gegend und zu dieser Zeit war genau das 818. Geb.p.bat. vor Ort. Aus der Erinnerung: südl. von Arrezzo war die Kampflinie mit entspr. Regimentern, aber die waren weiter weg vom Tatort. Ich kann ruhigen Gewissens sagen: In dieaser Gegend war nur das 818. Geb.p.bat.. Natürlich waren 2, 3 5 km entfernt auch Flakeinheiten. Aber da oben, da haben Pioniere gearbeitet, die Brücke ist 1-2 km Luftlinie vom angezündeten Haus. Man kann in diesem Bereich ausschließen, dass anderen da gewesen sind.
Thesen: Pircher sagt, auch Panzer- und Artillerieeinheiten seien dabei gewesen
Z: er macht da eher den Fehler, weil er kleine Flakeinheiten gesehen hat: Flak-Geschütze auf LKW. Wir haben Panzer reingeschrieben, weil er Panzer gesagt hat. Mit Einheiten meinte er die Einheiten seiner Kompanie. – Thesen: das ist Ihre Interpretation
Thesen: ist Ihnen bekannt, dass das 104. Panzerregiment in der Nacht auf den 26.6. in den Raum Cortona verlegt wurde. Es gibt eine Meldung vom 26.6., dass die Verlegung durchgeführt wurde.
Z: Ich sage ja nicht, dass da nie andere Einheiten südl., nördl. u. westl. waren. Sie waren in der Gegend, aber nicht so nah am Tatort wie das 818. Geb.p.bat.
Thesen: haben Sie festgestellt welche Personalstärke dieses Regiment hatte?
Z: … ist da der Experte
Thesen: der Stab des 76. Panzerkorps wurde nach 6 km ostwärts von Cortona verlegt. Haben Sie eine Vorstellung von der Personalstärke und den Sicherungseinheiten?
Z: ein Haufen Menschen, aber auf dem Rückzug in dieser Situation kann ein Stab ganz schnell zusammen fallen. Zu dieser Zeit in dieser Gegen in diesem Tal waren keine anderen Einheiten. Kein Zeuge und keine Akten sprechen dafür, dass in diesem Tal eine andere Einheit gewesen ist. Die Panzer, die Pircher nannte, können Flaks und Kanonen auf LKW gewesen sein. Ein Panzer hätte da gar nicht durchfahren können, das waren nur kleine Schotterwege.
Thesen: haben Sie geprüft, ob das Batallion auch eine Stabskompanie hatte?
Z: laut Erkennungsmarkenverzeichnis sind auch ein paar Soldaten dazu gekommen
Thesen: haben sie geprüft, ob ein Zugführer immer die gleiche Befehlsgewalt hatte, unabhängig vom Dienstgrad, auch Unteroffizier oder Feldwebel?
Z: kein Soldat hätte sich erlaubt etwas zu tun ohne Befehl. Ein Unteroffizier hat nicht so viel Befehlsgewalt, dass er alles allein entscheiden kann. Ich bin ja auch Militär
Thesen: ich auch. Haben die 3 Zugführer ein unterschiedliches Maß an Befehlsgewalt
Z: weiß ich nicht
Thesen: ist in der Wehrmacht leicht zu beantworten: sie haben die gleiche Befehlsgewalt
Vert. Goebel: sind die StA in La Spezia Militärs gewesen?
Z: nein, Juristen. Im Kriegsfall würden sie einen Dienstgrad bekommen
Goebel: wer erteilte Ihren Ermittlungsauftrag und gegen wen sollten Sie ermitteln?
Z: Der StA sprach mit unserem Gruppenleiter. Die Anfangsakte kenne ich nicht, war wohl gegen unbekannt
Goebel: Ohne Einschränkung? Sollten Sie nur gegen Deutsche ermitteln oder auch gegen Italiener?
Z: jede unserer Ermittlungen war immer in alle Richtungen geführt, nicht nur gegen jemand, sondern auch für jemand
Goebel: Sie hätten auch gegen Italiener ermitteln können?
Z: Ja schon, aber da war auch mal eine Amnestie in Italien
Goebel: In Italien gab es 2 Amnestiegesetze, die noch verbindlich sind, die jegl. Strafverfolgung von ital. Kräften ausgeschlossen hätten
Z: dazu kann ich nicht Stellung nehmen
Goebel: über die Anwesenheit ital. Streitkräfte in diesem Tal haben Sie keine Ermittlungen angestellt?
Z: keine Zeuge sprach von ital. Faschisten oder ital. Einheiten. War auch aus Kriegstagebüchern nicht zu entnehmen
Richter: Frage ist unzulässig, weil unterstellt wird, dass ital. Einheiten vor Ort gewesen seien. Muß lauten: waren ital. Einheiten vor Ort?
Z: wir hatten keinen Anlaß anzunehmen, dass ital. Einheiten dort gewesen sind
Goebel: wie weit reicht der Bereich, wo ausschließlich das 818. Geb.p.bat. war, auch bei Arezzo
Z: dieses Batallion war bei der Brückensanierung
Goebel: in Arezzo soll die Brigate Nero Spinelli (?) gewesen sein
Z: das haben wir nicht mit einbezogen
Goebel: eine Frau soll beim Prozess in La Spezia …
Z: war nicht beim Prozess
Goebel: hatten Sie mit ermittlungen in Sachen Quota zu tun
Z: nur am Anfang. Verfahren wurden dann getrennt
Goebel: dort sind 14 Tage später Exekutionen durch ital. Soldaten durchgeführt worden
Z: hatte nichts damit zu tun, weiß nichts dazu. Rainer St… und Komm. Wilms haben da ermittelt
Goebel: im Raum Arezzo bis Cortona soll ein Waffen-SS-Batallion gewesen sein
Z: ist mir nicht bekannt
Goebel: und die Republikanische Garde
Z: ich weiß dazu nichts
Goebel: Sie sagen, alle Zeugen hätten über die Anwesenheit anderer Soldaten nichts gesagt. Ist Ihnen die Aussage Massetti bekannt?
Z: wurde von Oberst Delia etc. vernommen. Herr Vali und andere berichteten auch von Partisanen in der Gegend
Goebel:
Die Anwesenheit anderer Einheiten schließen Sie aus, allein aufgrund der Aussagen der vernommenen Zeugen?
Z: Nein. In diesen Tagen war diese Einheit dort. Am 26.6.44 war eine Einheit der Geb.p.bat 818 vor Ort und reparierte die Brücke. In der Gegend waren andere Einheiten, aber vor Ort waren nur diese Geb.p.bat.einheiten
Vert. Stünkel: waren Ihnen die Aussagen von Gino Massetti inhaltlich bekannt
Z: bei den ersten Vernehmungen nicht, später schon
Stünkel: wann genau
Z: weiß nicht
Stünkel: Herr Pircher wurde Anfang 2006 vernommen
Z: Nein, 2 mal – Anfang 2006 war die letzte Vernehmung
Stünkel: Letzte Vernehmung Massetti war 28.6.05. Wissen Sie was Massetti zur Befehlsgebung in Sachen Sprengung des Hauses sagte?
Z: wenn Sie es mir vorhalten könnten
Stünkel: Vorhalt: „eine Person stieg aus Sidecar, mit Schirmmütze und gab den Befehl, die Zivilisten in das Haus zu bringen.“ Hat das Thema Uniformen, Sidecar, Motorrad eine Rolle gespielt im Hinblick auf die Identifizierung des Befehlsgebenden?
Z: das war ein Rückzug. Da wurde alles requiriert, Pferde, Esel, ein Motorrad, Uniformen. Kann sein, dass da jemand im sidecar kam, darüber machten wir uns keine Gedanken
Stünkel: die Mütze erkannte er als die Mütze eines Infanterieoffiziers, nicht eines Geb.pioniers
Richter: na ja, Schirmmütze
Z: Massetti war damals 15 Jahre alt und verängstigt. Die Mütze von Scheungraber aus dem Begräbnisfoto hat auch einen kleinen Schirm. Auch Offiziere haben damals so eine Mütze getragen
Nebenklägerin Heinecke: Zeuge hat sich mehrmals den Tatort angesehen – Inaugenscheinnahme Kartenmaterial am Richtertisch – konnten Sie den Flakeinsatz nachvollziehen? - Ja
Heinecke: gabs da eine feste Flak?
Z: bin der Meinung, dass unter Umständen Flakeinheiten beim Castello, vom Friedhof li hoch waren
Heinecke: im Brückenbaubereich?
Z: Nein
Vert. Thesen gibt Erklärung für den Angeklagte ab:
Der Angeklagte hat nicht mit Major Stommel einen Gegenschlag geplant. Der Angeklagte hatte als Untergebener von Stommel keine eigene Befehlsgewalt. Er hat von Stommel Befehle erhalten. Der Vorgesetzte entscheidet allein.
StA Lutz übergibt Zeugenvernehmungsprotokolle