Published on Keine Ruhe den NS-Kriegsverbrechern (http://www.keine-ruhe.org)
Georg Rauch

In ihrer Nachbarschaft wohnt ein Kriegsverbrecher!

Flugblatt verteilt zum Aktionstag am 6.5.2006

Am 22. Juni 2005 am Militärgericht in La Spezia/Italien. Lebenslänglich für Gerhard Sommer, schuldig der Beteiligung am fortgesetzten Mord, begangen mit besonderer Grausamkeit. Die Strafe: lebenslänglich. Das gleiche Urteil, die gleiche Strafe für Alfred Schöneberg, Ludwig Heinrich Sonntag, Alfred Concina, Karl Gropler, Horst Richter, Ludwig Göring (Karlsbad), Werner Bruss, Georg Rauch, Heinrich Schendel.

Georg Rauch (1921) wohnt heute in Rümmingen bei Lörrach (Rebackerweg 11), einem kleinen beschaulichen Dorf im südbadischen Grenzland zur Schweiz. Im Dorf wird niemand genau wissen, was seinen Lebensweg kennzeichnet: Schon früh bei der Hitler-Jugend, meldet er sich freiwillig bei der Totenkopf-Einheit, einer der berüchtigten, fanatischen SS-Einheiten. Eingesetzt in Frankreich, wo er sich in kurzer Zeit "auszeichnete", dann in Russland an der "Front". Schließlich in Warschau zur Zeit der Vernichtungsmaschine gegen das Warschauer Ghetto. 1943 Untersturmführer, dann zur 16. SS-Division (über Ungarn) nach Italien.

Zur Zeit des Massakers im Bergdorf Sant’Anna war er 23 Jahre alt. Alt genug, um zu wissen, was er tat. Am Morgen des 12. August 1944 stiegen 4 Kompanien in das abgelegene Bergdorf Sant 'Anna auf und massakrierten jede Menschenseele, die sie antrafen: vor allem Kinder, Frauen, alte Männer (die jüngeren Männer waren nicht im Dorf). Sie verbrannten die Leichen und die Häuser. 560 Tote, ein ausgelöschtes Dorf. Rauch war "Untersturmführer" – der Verantwortung hat er sich nie gestellt. Beim Prozess in La Spezia war er ebenso wenig wie die anderen Angeklagten. Gegen das Urteil hat er aber trotzdem Revision eingelegt.

Im Prozess in Italien war eine große öffentliche Aufmerksamkeit auf Sant 'Anna gerichtet. Sämtliche Nebenkläger waren vertreten, die italienische Regierung, das Land, die Stadt, der Bürgermeister, die einzelnen Bürgerinnen und Bürger von Sant 'Anna, die Überlebenden von Sant 'Anna, damals noch Kinder, waren zahlreich von ihrem 50km weiter gelegenen kleinen Bergdorf angereist. Die Erleichterung war sehr groß, es gab sehr viele gerührte Gesichter und Freudentränen, aber natürlich auch Tränen im Gedenken an die Getöteten. Und nach der Urteilsverkündung erscholl ein befreiender Applaus, obwohl das im Gerichtssaal eigentlich nicht sein darf. Der Prozess hatte in ganz Italien und auch international für einiges Aufsehen gesorgt.

Ganz anders in Deutschland. Zwar laufen seit 2002 Ermittlungen wegen des Massakers in Sant`Anna di Stazzema. Die schleppen sich aber eher dahin und es gibt noch keine Anklage.
Die dafür zuständige Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat immer wieder betont, es sei eben schwierig, weil jedem Einzelnen die Beteiligung ganz konkret nachgewiesen werden müsse und außerdem warte man das Urteil in La Spezia ab. Das Urteil ist aber seit einem Jahr vorhanden!

"Wir ermitteln gegen eine im unteren zweistelligen Bereich liegende Zahl von Beschuldigten und wir haben im Rahmen unserer Ermittlungen die Überlebenden vernommen. Wir haben auch sehr viele Einheitsangehörige vernommen. Wir sind derzeit dabei, die einzelnen Tatbeiträge der von uns identifizierten Tatbeteiligten zu klären, insbesondere festzustellen, ob ihnen so genannte Mordmerkmale nachgewiesen werden können." (Stuttgarter Staatsanwaltschaft)

In Italien lebenslänglich – Schadensersatz an die Familienangehörigen und Nebenklägerinnen Baldassarri (Maria, Gian, Antonio), je 10.000 Euro. Das Urteil soll in der italienischen Presse veröffentlicht werden.

Am 6. Mai 2006 demonstrieren wir vor den Wohnhäusern der in Italien verurteilten Kriegsverbrecher und am 8. Mai 2006, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, vor der Staatsanwaltschaft in Stuttgart, um der Forderung nach einer umgehenden Eröffnung der Verfahren Nachdruck zu verleihen.

AG Partigiani Freiburg


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